Die Stiftung Gesundheit Fördergemeinschaft ist Projektpartner des europäischen Versorgungsforschungsvorhabens SUSTAIN. Das Akronym steht für Sustainable Tailored Integrated Care for Older People in Europe. Mit Mitteln aus dem Horizon 2020 Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Kommission wird das Konsortium in den nächsten vier Jahren untersuchen, welche Modelle für die individuell angepasste, integrierte Versorgung von Menschen über 65 besonders gut geeignet und langfristig finanzierbar sind. So zahlreich wie die Herausforderungen sind die unterschiedlichen Projektstandorte: In einer Serie stellen wir sie vor.

UPDATE: Informationen zum Projekt gibt es ab sofort online auf der offiziellen Website von SUSTAIN.

Das am katalanischen Gesundheitsministerium angesiedelte AQuAS-Institut, eine Körperschaft öffentlichen Rechts, widmet sich seit über 20 Jahren der Versorgungsforschung, Evaluierung und Qualitätsverbesserung der öffentlichen Gesundheitsversorgung in Katalonien. Einen Schwerpunkt bildet seit jeher die internationale strategische Kooperation in Innovation und Methodenbewertung (HTA) für neue Technologien, eHealth sowie Versorgungsforschung. AQuAS genießt in Katalonien und darüber hinaus hohes Ansehen und ist gegenwärtig an siebzehn internationalen Versorgungsforschungsvorhaben beteiligt. Das SUSTAIN-Team AQuAS besteht aus fünf Wissenschaftlerinnen, darunter Pflegewissenschaftlerinnen, Gesundheitsökonominnen und eine Public-Health-Medizinerin.

Karte von Katalonien

SUSTAIN-Projektstandorte befinden sich in Sabadell und Vic. © creative commons

 

In Katalonien gibt es zwei Standorte:

Sabadell: In der Industriestadt Sabadell westlich von Barcelona unterstützt SUSTAIN ein klassisches sektorenübergreifendes Integrationsprojekt. Zielbevölkerung sind alle Personen mit komplexem sozialen und gesundheitlichen Versorgungsbedarf aufgrund chronischer Erkrankungen, Pflegebedürftigkeit, Drogenabhängigkeit sowie häuslichem Betreuungsbedarf bei Entlassmanagement. Der Einzugsbereich umfasst 50.000 Einwohner.

An der Umsetzung des Projekts sind die Leiter dreier Primärversorgungszentren und der Chef des kommunalen Sozialdienstes von Sabadell beteiligt. Weitere Mitwirkende sind die Pflegedienstleiterin und die Chefin des Sozialdienstes eines Primärversorgungszentrums, sowie Allgemeinmediziner, Kinderärzte, Sozialarbeiter, Pflegekräfte, Erzieher, und Manager der beteiligten Einrichtungen.

Was SUSTAIN tun kann:

Ausgehend von einer Bedarfserhebung werden die Akteure durch SUSTAIN in Sabadell bei der besseren Verzahnung von sozialen und gesundheitlichen Angeboten beraten. Es handelt sich in erster Linie um ein Organisationsentwicklungsvorhaben, bei dem Leitlinien angepasst und Indikatoren für ein sektorübergreifendes Benchmark-System entwickelt werden sollen.

 

Vic: In der Provinz Osona im Norden von Barcelona liegt die noch ländlich geprägte Kleinstadt Vic. Das Krankenhaus in Vic ist Dreh- und Angelpunkt der Versorgung in Osona; im Einzugsgebiet leben rund 150.000 Menschen. Im Gegensatz zu Sabadell ist das SUSTAIN-Integrationsprogramm in Vic am Krankenhaus angesiedelt und speziell auf die geriatrische Versorgung hochaltriger Patienten ab 85 Jahren – ca. 3 Prozent der Gesamtbevölkerung –ausgerichtet. Personen, die hier versorgt werden, leiden an komplexen chronischen Erkrankungen, oft im fortgeschrittenen Stadium.

Die Aufnahme in das Programm “PCC/MACA Geriatrics” erfolgt zumeist über den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder direkt über die Notfallambulanz, wo eine Case-Management-Pflegekraft eine Triage vornimmt.

Beteiligt ist ein gut eingespieltes, überwiegend fachärztliches Team aus Geriatern, Palliativmedizinern und Langzeitpflegeexperten. Sie sind mit sektorenübergreifendem Bevölkerungsmanagement von der Akutversorgung im Krankenhaus bis zum Entlassmanagement vertraut, kennen ihre Klientel sehr genau und erstellen für jeden Patienten einen individualisierten Betreuungsplan.

Was SUSTAIN tun kann:

Der hohe Spezialisierungsgrad hat jedoch auch eine Kehrseite. Wie die Befragung von leitenden Mitarbeitern und Case Managern des Programms in Vic ergab, hapert es in Vic mit der horizontalen und vertikalen Integration aus dem Krankenhaus heraus mit der hausärztlichen beziehungsweise der Primärversorgung und den sozialen Dienstleistern am Ort. Unklar sind Zuständigkeiten in den parallel agierenden Systemen, ungeklärt ist auch, wer letztlich den Hut auf hat. Für die geriatrische Versorgung gibt es kein separat ausgewiesenes Budget, und die Personaldecke ist – wirtschaftskrisenbedingt – nach wie vor sehr dünn.

Das SUSTAIN-Team in Vic sieht seine Aufgabe daher insbesondere darin, trotz schwieriger finanzieller Bedingungen mithilfe des Projekts zu einer nachhaltig verbesserten Vernetzung zwischen Krankenhaus und anderen Leistungserbringern beizutragen.

Logo des SUSTAIN-Projekts



Sophia SchletteDieser Artikel wurde verfasst von Sophia Schlette
Sophia Schlette, Master of Public Health, ist Expertin für internationales Wissensmanagement in der Gesundheitsversorgung. Bei der Stiftung Gesundheit leitet sie das Hauptstadtbüro und das EU-Projekt SUSTAIN.
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