Preisverdächtig: Medizinjournalismus, der weiterhilft
Schlimm genug, wenn man von Krankheit geplagt ist. Wenn Knochen schmerzen, Allergien Sorgen machen oder Migräne quält. Kaum jemand tut es mit Freude, doch wer betroffen ist, sucht Informationen: Hintergründe über die Ursachen seiner Erkrankung, Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen.
Doch umso schlimmer, wenn zu dem ohnehin vorhandenen Leidensdruck nun noch ein neuer hinzukommt: Das “Nur-Bahnhof-Verstehen”-Syndrom. Ein bedrückender Schmerz, entstanden dadurch, dass angeblich an Patienten gerichtete Publikationen mit Fachbegriffen um sich werfen, Zusammenhänge nicht zufriedenstellend erklären und mehr Fragen aufwerfen als sie klären. Gerade das, was Erkrankte am allerwenigsten gebrauchen können.
So etwas darf nicht sein, finden wir von der Stiftung Gesundheit. Um wirklich guten Medizinjournalismus zu fördern – egal, ob in Form von Zeitungs- oder Zeitschriftenartikeln, TV- oder Hörfunksendungen, Multimedia-Angeboten oder Büchern –, haben wir 1998 den Publizistik-Preis ins Leben gerufen. Jedes Frühjahr zeichnen wir mit 2.500 Euro eine Veröffentlichung aus, die gesundheitliches Wissen hervorragend vermittelt – anschaulich und transparent, und mit einem Höchstmaß an fachlicher wie auch didaktisch-journalistischer Kompetenz. Und die Resonanz ist groß. Stapelweise treffen hochwertige Arbeiten bei uns ein und zeigen, dass es möglich ist: Medizinisches Fachwissen kann durchaus patientenverständlich, interessant und ansprechend dargeboten werden.
Publizistik-Preis – Gewinner der letzten Jahre
Zum Beispiel im letzten Jahr – da landete auf unserem Schreibtisch das Buch “Schaut mich ruhig an. Wie brandverletzte Kinder und Jugendliche ihr Leben meistern”. Der Inhalt: Aus vielen verschiedenen, zum Teil auch unkonventionellen Perspektiven (etwa des Fotografen, der die Bilder für das Buch gemacht hatte) wurde Einblick in das Leben brandverletzter Kinder gewährt. Nachvollziehbar präsentierte medizinische Hintergründe wechselten ab mit authentischen Schilderungen seelischer Vorgänge. Ein schnell passierter Unfall mit großen Folgen für die Kinder und ihre Familien – das Buch macht es nur allzu deutlich. Und das nicht ohne zugleich Betroffenen Mut zu machen, mit der Situation positiv umzugehen.
Oder vorletztes Jahr: Damals befand sich unter den Einreichungen die Sendung “Besser sehen” der Fernsehreihe “Quarks & Co”. Die Funktionsweise des Auges, Fehlsichtigkeiten und das Prinzip verschiedener Sehhilfen wurden hier anschaulich erklärt – verständlich für jedermann und spannend in Bilder gefasst.
Beeindruckend war auch der im Frühjahr 2007 ausgezeichnete Gewinnerbeitrag: eine sechsteilige Artikel-Reihe über das deutsche Gesundheitssystem. Ärzte, Kliniken, Krankenhäuser, Forschung… – die zahlreichen Akteure des Gesundheitswesens bilden ein für den Laien wahrhaft nicht leicht durchdringbares Dickicht. Der Autor jedoch schlüsselte es in aller Transparenz auf.
Vor einer Woche erst haben wir den Publizistik-Preis 2010 ausgeschrieben. Kaum jemand ist so gespannt wie wir selbst, wen wir im Frühjahr zum Sieger küren dürfen.
|
Über den Autor: Verena Wenz ist zuständig für das Veranstaltungsmanagement der Stiftung Gesundheit. |















Ihrem Beitrag kann ich nur zustimmen. Besonders auch, wenn es um die psychische Gesundheit geht, ist es mit den Informationen in den Medien oft schlecht bestellt. Da ist z. B. von der “Angststörung” die Rede und als Therapie wird hauptsächlich die Verhaltenstherapie aufgeführt. Ähnlich ist es mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) – immer wieder lassen sich gleichartige Sätze finden. Doch die Patienten bleiben oftmals ratlos zurück.
Der Blog http://www.medizin-im-text.de/blog liefert anschauliche und ganzheitliche Informationen zum Thema psychische Erkrankungen. Patienten und interessierte Laien können mit mir als Autorin direkt in Kontakt treten. Inzwischen kommen 200 Leser pro Tag auf die Website und freuen sich darüber, dass die Erkrankungen auch aus psychoanalytischer Sicht beschrieben werden. Das gibt vielen Menschen Hoffnung und macht ihnen Mut. “Worte statt Pillen” lautet das Motto.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Dunja Voos
Dr. med. Dunja Voos - Montag, 26. Oktober 2009 at 11:15 UhrMedizinjournalistin und Autorin
Schwerpunkte: ADHS, Psychosomatik und Psychoanalyse
Den Beitrag kann ich ebenfalls deutlich zustimmen.
Die physische Gesundheit wird in den Medien oft schlecht transportiert! Ich speicher mir mal diesen Artikel, danke.
Michael - Samstag, 6. Februar 2010 at 1:05 Uhr