Das Wort „Behandlungsfehler“ löst allerlei Schlüsselreize aus, nicht nur in der Boulevardpresse. Und darum ist eine inhaltstragende Diskussion in der Materie leider so schwierig. Aktuell hat der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, ein Melderegister für Behandlungsfehler angeregt. Dieser Gedanke ist durchaus mehr als eine Überlegung wert; doch die Überlegungen drohen unterzugehen, solange nur reflexartig die üblichen Stereotypen ausgetauscht werden.

Anonym soll es sein, sagt Zöller, denn Denunziation würde keinesfalls helfen, die Patientensicherheit zu befördern. Bitte nicht verpflichtend, denn „Zwangsmaßnahmen schaffen keine Akzeptanz“, wünscht sich die KBV. Doch anonyme, freiwillige Melderegister gibt es bereits. Auf diversen Arztportalen wie Esanum können Mediziner Fehler anonym melden, und so Kollegen helfen, dieselben Fehler zu vermeiden. Doch die Angebote werden bislang wenig genutzt, auch wenn unsere Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2009“ gezeigt hat, dass die Portale langsam Einzug in den Praxisalltag finden.

Sicher ist: Ein verpflichtendes Melderegister würde mehr Verwaltungsaufwand für die Praxen bedeuten. Neben einem Datenschutzbeauftragten, dem Betriebsrat und einem Gleichstellungsbeauftragten könnte dann noch ein Fehlermeldebeauftragter hinzukommen. Die Rückbesinnung der Mediziner auf die eigentlich ärztliche Tätigkeit – das Versorgen der Patienten – sieht anders aus. Auf der anderen Seite hat die Vermeidung von Behandlungsfehlern für jeden Arzt, für jede Praxis oberste Priorität.

Ein Register, eine qualifizierte, strukturelle Analyse, könnte tatsächlich nutzbringend sein und die Patientensicherheit befördern, denn das Gros der Fehler wurzelt nicht in individuellem Versagen, sondern mehr in schlecht abgestimmten Behandlungsverläufen, also in systemischen Mängeln und Risikofaktoren. Melden alleine genügt da aber nicht. Die Fehler müssen analysiert werden, um typische Fehlerquellen und wiederkehrende Muster zu erkennen. Und da gibt es bereits wertvolle Arbeit, zum Beispiel von dem Aktionsbündnis Patientensicherheit am Institut für Patientensicherheit der Universität Bonn.

Das Gros der Ärzte ist offenkundig bereit zu einen konstruktiven Umgang mit dem Thema, das haben sie uns 2009 gezeigt. Die große Mehrzeit ist engagiert dabei, wenn Fehler und deren Ursachen ermittelt werden.

Hauptsache, wir halten aus dieser wichtigen Diskussion die boulevardesken Schlichtheiten heraus.



Dr. Peter MüllerDieser Artikel wurde verfasst von Dr. Peter Müller
Dr. Peter Müller ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheit. Als Medizinjournalist mit mehr als 25 Jahren Berufserfahrung kennt er die Untiefen des Gesundheitswesens genau und fühlt sich den Zielen der Stiftung Gesundheit umso mehr verpflichtet: Mit allgemein verständlichen Informationen den Zugang zu guter medizinischer Versorgung zu verbessern.
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Kommentare

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  1. Kommentar von Sabrina am 10. März 2010

    Endlich! Wird ja auch Zeit. Der Mehraufwand kann doch mit den neuen Chipkarten klein gehalten werden. Wenn das bei Patienten funktioniert, wieso nicht auch bei Ärzten.

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