Füller

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Neulich hat uns ein Blogger geschrieben – sehr ausführlich und detailliert. Der Autor hatte einige Anmerkungen zu einer von uns zertifizierten Website und hinterfragte die dort vorgestellten Therapien und Behandlungsmöglichkeiten.

Hier nun Auszüge aus der Anfrage:

Auf der Webseite werden zahlreiche Therapien vorgestellt und beworben, die keine wissenschaftliche Grundlage haben und möglicherweise sogar schädlich sein können.

 

 

Beispielsweise:

  • Organotherapie
  • Bachblüten
  • Homöopathie
  • „Erdstrahlen“
  • Familienaufstellung
  • Ausleitung / Entgiftung

Das ist keine vollständige Liste, es finden sich zahlreiche weitere Therapien dort aufgelistet und bei einem kurzem Blick darauf gehe ich davon aus, dass die meisten davon Pseudowissenschaftliche Therapien sind, ich habe es aber nicht im einzelnen überprüft

Teilweise wird auf Studien verwiesen, ohne zu erklären, wo diese Studien publiziert sind, was publizistisch für eine medizinische Informationsquelle wohl kaum akzeptabel ist.        

Mich würde interessieren: Wie kam dieses Gütesiegel, das sie ja wohl schon mehrfach für dieses Webangebot vergeben haben, zustande? Ich bitte Sie, dieses Gütesiegel zu überprüfen und mir auch mitzuteilen, wie dies ausgeht.

 

Da der Blogger grundsätzliche Dinge angesprochen hat, antwortete unser Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Müller gern persönlich – und ebenso detailliert. Gern übrigens, da wir in ausführlichen und begründeten Debatten oft auch neue Gedanken aufsaugen können, die unsere Ansichten zurechtrücken können.

Auch die Antwort von Dr. Peter Müller möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

Gestatten Sie mir vorab eine persönliche Anmerkung:

Ich persönlich bin der Evidenzbasierung verpflichtet. Und ich kann und will auch nur in diesem Kontext arbeiten. Damit bin ich zum Glück hier in der Stiftung gut aufgehoben.

Mehr noch: unser Claim „Wissen ist die beste Medizin“ mag ein Hinweis darauf sein, dass die Stiftung errichtet wurde gerade als Kontrapunkt zu Scharlatanerie, mittelalterliche Mythen und interessengeleiteter Des- oder Partikularinformation.

Zugleich bin ich ebenso tief dem Pluralismus-Gedanken verwurzelt, was ich erheblich auch meinem akademischen Lehrer, Prof. Steffanie, Hamburg, verdanke. Diesem Dualismus, Evidenzbasierung einerseits und der grundsätzliche Wert des Pluralismus andererseits führt dazu, dass man bisweilen schwer zu ertragende Dinge ertragen muss. Das bedeutet keinesfalls alles zu tolerieren. Der Respekt vor dem Nächsten ist der entscheidende Benchmark. Auch im Rahmen der Arzt-Auskunft hat dies in der Vergangenheit in unseren Gremien und in der Mitarbeiterschaft vielfach schon zu intensiv diskutierten Abgrenzungsfragen geführt. Und dabei sind wir immer noch wesentlich rigider als vieles, sehr vieles, was hierzulande so auch unter Approbierten tatsächlich praktiziert wird.

Nun aber zu dem Siegel und dem gutachterlichen Verfahren: Es ist ein publizistisches, kein medizinisches.

Das Gütesiegel erhalten Websites, die sich dem gutachterlichen Verfahren mit definiertem Prüfungskatalog unterziehen und dabei keine wesentlichen Mängel aufweisen. Dafür bewerten die Gutachter die Site anhand eines Sets von mehr als 100 Kriterien. Wesentliche Prüfkriterien sind dabei beispielsweise, ob die geltenden juristischen Anforderungen an eine Website erfüllt sind. Sie prüfen zudem auch die Userfreundlichkeit sowie die Barrierefreiheit einer Website. Die publizistische Güte bewertet u.a. die publizistische Sorgfaltspflicht sowie die Frage, ob Aufgabe, Zweck und Nutzen der Website für die jeweilige Zielgruppe klar erkennbar sind, die Autorenschaft bekannt gegeben wird.

Die Prüfung gilt nicht einer möglichen medizinischen Wirksamkeit der angebotenen Therapien zu beurteilen, wir sind weder das IQWiG noch der G-BA. Die Gutachter prüfen vielmehr, ob die Website anhand oben skizzierter Kriterien geeignet ist, die Besucher in qualifizierter Weise über gesundheitsrelevante Themen und Zusammenhänge zu informieren und mehr Transparenz für Patienten zu schaffen. So darf im Sinne der Maximen von Methodenvielfalt – Methodentransparenz – Methodenkritik nicht eine einzelne Therapieform unkritisch und nicht substantiiert hervorgehoben werden. Eine Anforderung übrigens, die im Laufe der vergangenen Jahre, auch bei der Prüfung von gesundheitsbezogenen Printprodukten zur Verweigerung des Siegels geführt hat.

Und da das Internet – im Gegensatz zu Printprodukten – volatile und variable Informationen und Darbietungen, wurde eine Verfallszeit der Zertifizierung vordefiniert – und dies mit einem Jahr mit einer überschaubaren Frist. Nach Ablauf dieser Frist muss neuerlich geprüft werden bzw. verfällt die Zertifizierung. Sollte also die Fortschreibung einer Website zu einer Entfernung vom geprüften Standard führen, wird die Re-Zertifizierung nicht erfolgreich sein.



Cindy ForsterDieser Artikel wurde verfasst von Cindy Forster
Cindy Forster ist Projektmanagerin bei der Stiftung Gesundheit. Die gelernte Versicherungskauffrau und erfahrene Online-Redakteurin ist zuständig für Zertifizierungen von Websites.
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Kommentare

Für diesen Beitrag gibt es 5 Kommentare.

  1. Kommentar von Die “Stiftung Gesundheit” und ihre zertifizierten Webseiten @ gwup | die skeptiker am 18. März 2013

    […] Antwort kann man im Blog der Stiftung Gesundheit nachlesen, unter der Überschrift: Ich dachte, dass sei […]

  2. Kommentar von Andreas am 19. März 2013

    Und damit begründen Sie, dass auf zertifizierten Webseiten so etwas als Therapie bei Krebs angeboten werden darf: http://biokrebs.de/images/stories/download/Therapie_Infos/Geistiges_Heilen.pdf?
    Wie steht das im Verhältnis zu dieser Aussage „Die erfolgreiche Zertifizierung zeigt jedem User: Ja, diese Website ist gewissenhaft geprüft und verlässlich.“
    Wenn ich auf der Webseite einer Stiftung Gesundheit etwas über „verlässliche“ Webseiten lese, folgere ich als Laie, dass auch die dort angebotenen Leistungen „verlässlich“ sind.
    Wenn das nämlich nicht er Fall ist,nennen Sie bitte das Gütesiegel um, in z.B. „Zertifikat für hübsche, bunte Webseiten“

  3. Kommentar von Cindy Forster am 20. März 2013

    Es wird geschimpft. Das gefällt mir. Denn Meinungsvielfalt halte ich für fundamental. Ja, ich bin dafür sogar bereit zu ertragen, dass jemand anderer Meinung ist. Aber konkret:

    Aktueller Stein des Anstoßes ist das Gütesiegel der Stiftung Gesundheit auf einer Website, die keine schulmedizinischen Therapien beschreibt, sondern naturheilkundliche Methoden in Ergänzung einer Krebstherapie vorstellt.

    Ich will hier ausdrücklich nicht in die Bewertung von Ideologien oder Therapieformen einsteigen.
    Die Betreiber der Website geben an, dass sie eine „Medizin für den ganzen Menschen fördern, in der sich biologische Heilverfahren und schulmedizinische Behandlungswege sinnvoll ergänzen.“ Sie informieren über komplementäre Krebstherapien. Zudem weisen sie darauf hin, dass diese „meistens begleitend zu schulmedizinischen Therapien und in der langfristigen Nachsorge angewandt“ werden.
    Man mag daran glauben oder auch nicht, wir lassen jedem Leser seine eigene Meinung zur Alternativmedizin. Meine eigene Meinung spielt, was den Zertifizierungsprozess angeht, keine Rolle.

    Wie zuvor erwähnt lautet das Ziel der Zertifizierung ausdrücklich nicht, die medizinische Wirksamkeit der angebotenen Therapien zu bewerten. Dem Zertifizierungsverfahren der Stiftung Gesundheit liegen die DISCERN-Kriterien zugrunde. Diese geben den Lesern ein Instrument an die Hand, mittels dessen sie die Qualität von Patienteninformationen (gedruckt oder online) selbst einschätzen können. Bei Internetseiten, die das Gütesiegel „Geprüfte Homepage“ tragen, haben externe Gutachter den Lesern diese Arbeit bereits abgenommen. Die Kriterien sind für alle gesundheitsbezogenen Websites anwendbar, egal ob es sich dabei um einen Allgemeinmediziner, ein Gesundheitsportal oder einen Zahnarzt handelt – auch wenn uns der Gang zum Zahnarzt nicht der liebste ist.

    Die aktuelle Kritik formuliert mehrfach, dass die geprüfte Seite halt nicht evidenzbasiert ist – geht aber nicht auf unsere Argumentation ein. Das ist schade. Fällt aber auch noch unter die Meinungsfreiheit.

  4. Kommentar von Andreas am 22. März 2013

    Damit machen sie es sich aber zu einfach, denn:
    sie sind KEIN Webseiten-TÜV, sondern ein Gesundheitsportal.
    Und wenn sie dann folgende Aussage treffen: “Die erfolgreiche Zertifizierung zeigt jedem User: Ja, diese Website ist gewissenhaft geprüft und verlässlich.” dann geht der Normalbürger davon aus, dass dies AUCH für den medizinischen Teil der Webseite gilt. Ansonsten nennen sie bitte das Gütesiegel in „Userfreundliche Webseite“ um.

  5. Kommentar von Cindy Forster am 25. März 2013

    Bereits seit 1996 ist die Stiftung Gesundheit ist eine gemeinnützige rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts. Zudem sind wir unabhängig von Regierung, Parteien, Industrie, Verbänden und weltanschaulichen Gruppierungen – also mit Verlaub gesagt, alles andere als ein Gesundheitsportal.
    Ich denke nicht, dass der Entwicklungsprozess des Verfahrens einfach war. Auf Basis der beschriebenen DISCERN-Kriterien, die unter http://www.discern.de ausführlich nachzulesen sind, haben wir in langjähriger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Uwe Sander und Prof. Dr. Thomas J. Schult von der Fachhochschule Hannover das Zertifizierungsverfahren entwickelt. Seit „Inbetriebnahme“ wird es beständig fortgeschrieben und beispielsweise an die rechtlichen Gegebenheiten angepasst, wie jüngst an die Novelle des Heilmittelwerbegesetzes. Daher danken wir Ihnen auch für Ihre Anregung, das Gütesiegel in „Userfreundliche Webseite” umzubenennen. Gern werde ich Ihren Vorschlag mit unseren Gremien besprechen.

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