Kleine Jungs haben irgendwann noch vor der Pubertät eine Phase, in der sie von großen Zahlen begeistert sind. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich nun auch bei Startup-Portalen und sogar bei einzelnen ganz alten Hasen. Junge Portale wie auch die steinalten Adresshändler brüsten und übertrumpfen sich, wer mehr Arztadressen hat als der andere.
Dabei steht die Zahl der hierzulande praktizierenden Ärzte ziemlich fest. Niedergelassene Humanmediziner gibt es etwa 127.000, Zahnärzte und Kieferorthopäden bringens gemeinsam so auf 54.000 und die Psychologischen Psychotherapeuten nebst den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind zusammen rund 22.000 an der Zahl. Natürlich gibt es noch mehr Doktores im Land. Als Angestellte in Krankenhäusern, im Erziehungsurlaub, in Rente, tätig in der Industrie oder anderen Konstellationen.
Viel mehr Adressen als praktizierende Ärzte in der Kartei zu haben, ist aber gar kein Problem. Man lasse einfach all die pensionierten und verstorbenen Ärzte im Verzeichnis und lasse sich außerdem noch aus Versehen ein paar Privatadressen andrehen. Ganz besonders effektiv sind jedoch Doubletten, Doubletten und nochmals Doubletten.
Aber Spaß beiseite. Die Güte eines Adressverzeichnisses zeigt sich gerade daran, dass es möglichst frisch ist – nicht besonders groß. Bei uns fließen Fleiß und Hirn von rund 20 Kollegen in die Pflege der Arzt-Auskunft. Und selbst das ist noch lange nicht genug.
Also, liebe Adress-Hökerer und Portalgründer: prahlt ruhig mit großen Zahlen. Wir flöhen unser Verzeichnis durch und werfen raus, was veraltet ist. Immer wieder.
![]() | Dieser Artikel wurde verfasst von Dr. Peter Müller Dr. Peter Müller ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheit. Als Medizinjournalist mit mehr als 25 Jahren Berufserfahrung kennt er die Untiefen des Gesundheitswesens genau und fühlt sich den Zielen der Stiftung Gesundheit umso mehr verpflichtet: Mit allgemein verständlichen Informationen den Zugang zu guter medizinischer Versorgung zu verbessern. |
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